Dienstag, 19. April 2011

Oster- vs. Karsamstag?

Soeben auf Bild.de gelesen:

"Lachender Kirchturm Sonntag, 

17. April 2011, 11:25 Uhr

Berlin (dpa/bb) - In Berlin-Kreuzberg lacht es bald vom Kirchturm herunter. In einer Kunstaktion ersetzen drei Künstlerinnen aus Frankfurt/Main das Glockengeläut der Emmaus Kirche durch ein Lachen. Der Turm wird vom Ostersamstag an bis zum 7. Mai täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr lachen, wie die Künstlerinnen mitteilten. In der Zeit wird jede Viertelstunde durch die Aktion verkündet. Je näher es dabei auf die volle Stunde zugeht, desto lauter und länger soll das Lachen werden. Die Künstlerinnen wollen Passanten einen Moment des Innehaltens und der Entspannung verschaffen."

Und ich dachte immer: der Karsamstag-Vormittag gehört noch eindeutig der Grabesruhe des Herrn und sollte entsprechend "gewürdigt" werden; (zur Osternacht um 22 Uhr laden bei uns immer noch die Ratschenbuam ein) aber wenn schon von einem Kirchturm ab 10 Uhr vormittags dort ein sich viertelstündlich "eskallierendes" kar-samstägliches Lachen ertönt, scheint es mit der liturgisch-spirituellen "Bildung" der zuständigen "Geistlichkeit" nicht weit her zu sein...
Wenn überhaupt, dann höchstens ab Ostersonntag; aber nein: Nikoläuse gibts ab Ende August und das (Glocken ersetzende) Osterlachen bereits während der Grabesruhe; darüber lachen nicht mal mehr die Hühner ...

Kommentare:

  1. Genauso sehe ich das auch und hatte beim Predigtgärtner entsprechend kommentiert: Christus liegt im Grab und die Emmauskirche lacht sich kaputt.

    AntwortenLöschen
  2. Ja, liebe Braut des Lammes, sehr pointiert getroffen ! Man sollte nie denken, der Irrsinn könnte sich nicht mehr steigern... ;-)

    AntwortenLöschen
  3. Naja, fairerweise muss man sagen, dass es bis zur Reform der Karwoche 1955 durch Pius XII es auch bei den Katholiken üblich war, die Osternacht bereits am Vormittag des Karsamstages zu feiern. In meinem Schott von 1952 steht wie selbstverständlich "der Gottesdienst des Karsamstagmorgens zerfällt in fünf Teile". Unmittelbar im Anschluss wurde dann die (verkürzte) erste Vesper von Ostern gesungen. Durch die Reform ist jetzt der Karsamstag der einzige Samstag im Jahr mit einer eigenen Vesper.

    Spöttisch könnte man jetzt natürlich behaupten, die Protestanten seien irgendwo in den 50ern hängengeblieben :-)

    AntwortenLöschen
  4. Mir ist schon klar, dass die Protestanten (in manchen zweikonfessionell mit Kirchen vertretenen Gemeinden besonders auffällig) am Karfreitag läuten, was der Turm aushält während rundum die Ratschenbuam (Klapperbuben)die "nach Rom geflogenen" Glocken ersetzen. Dass aber der allgemeinen Verwässerung religiöser Traditionen ausgerechnet von kirchlicher Seite aus noch Vorschub geleistet wird, dies ist ja des "Pudels Kern". Insofern vermute ich mal eine weitere Stufe der (gedankenlosen oder bewussten) Aushöhlung (als eines von sehr vielen Mosaiksteinchen eines inzw. riesigen "Zeitbildes"), was doch kaum im Interesse beider Konfessionen sein kann.

    AntwortenLöschen